Hanse-Anzeiger vom 24.11.2007

Ulrich Eisenfeld im Kunstverein zu Rostock

In dieser Ruhe liegt die Kraft

Diese Städte mit ihren vielen Vertikalen: Überall Türme, Mauern, Masten. Kaum ein Blick reicht hier weiter als hundert Meter. Weiter draußen ist es ganz einfach: Unten, Oben, dazwischen der Horizont. Ulrich Eisenfeld malt das. „Ein Feld und ein Stückel Himmel drüber“, sagt er. In unendlichen Varianten. Immer in Pastellkreide. Mal sind die Wolken von der gerade untergegangenen Sonne angestrahlt, mal geht über dem Feld ein ferner Schauer nieder. Das grobe Papier hinterlässt lebendige Strukturen in der Schicht der Pastellkreide. Das Material habe ihn gefunden, sagt er. Eisenfeld beherrscht diese gefärbte Erde und sie ihn auch. Ulrich Eisenfeld wurde 1939 im Vogtland geboren, studierte auf der Bergakademie Freiberg, dann an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, ist seit 1965 freischaffend. Schon 1969 wurden Ausstellungen von ihm verboten, trotzdem ging er erst 1981 in den Westen, arbeitete in Goslar und reist immer wieder nach Schweden, hoch in den Norden, „wo es so still ist, dass einem die Trommelfelle platzen“. Heute lebt und arbeitet er in Berlin und in Kreischa bei Dresden. Die touristischen Schönheiten des nahen Elbsandsteingebirges interessieren den Maler jedoch nicht. Wenn die Wolken grandios leuchten oder die Heide im sommerlichen Lappland knallrot blüht, nimmt er die Farben zurück. Nur mit zwei Flächen und sehr wenig Perspektive entwirft er eine Räumlichkeit, die erst am Horizont endet. Was auf den Bildern bleibt, ist der tiefe, lang meditierte und stark zurückgegeben Eindruck einer Landschaft, die sich in ein Oben und ein Unten teilt. Wie es sich gehört. FS Die Ausstellung „land- und himmelwärts“ von Ulrich Eisenfeld ist noch bis zum 19. November in der Galerie des Kunstvereines zu Rostock, Amberg 13, zu sehen. Geöffnet Mittwoch bis Samstag von 13 bis 18 Uhr.
Frank Schlößer

Die Galerie des Kunstvereins präsentiert Arbeiten von Ulrich Eisenfeld. F: FS