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Freitag, 22. Februar 2008  |  Kultur

Vier Mal Mannewitz: Rostocker Familie zeigt gute Malerei

Der Kunstverein zu Rostock präsentiert Arbeiten von Mechthild und Lothar Mannewitz zusammen mit denen ihrer Kinder Marcus und Anna.


Rostock (OZ) „Die Malerfamilie Mannewitz“ , so der Titel der neuen Schau des Kunstvereins zu Rostock, hat an der Warnow so viele Freunde, dass die Bilder an den Wänden der Galerie Amberg 13 zur Eröffnung am Mittwoch Abend gar nicht mehr zu sehen waren. Wer die ausgestellten Positionen in Ruhe auf sich wirken lassen und vergleichen möchte, muss also abermals gucken gehen, aber das empfiehlt sich ohnehin. Wegen der Qualität der gezeigten Arbeiten, und weil diese Ausstellung wohl die letzte in den schönen Galerieräumen sein wird. Kunstvereinspräsident Wolfgang Friedrich sagte, dass die von der Stadt verlangte Miete zu hoch sei, und kündigte für das kommende Jahr eine Kooperation mit der benachbarten Galerie der Volkshochschule an.

Begrüßt wurde vor allen anderen Mechthild Mannewitz (81), die „große alte Dame der Rostocker Malerei“, wie der Kunstwissenschaftler Klaus Tiedemann zur Einführung respektvoll sagte. Die Künstlerin, die in ihrer Jugend bei Egon Tschirch und Thuro Balzer Unterricht genommen hatte, zeigt ganz frische Arbeiten aus dem vergangenen Jahr – abstrakte Kompositionen voller Dynamik, die innere Vorgänge spiegeln.

Von ihrem 2004 verstorbenem Mann Lothar Mannewitz ist eine Reihe vorzüglicher, tief gestaffelter Landschaften aus verschiedenen Schaffensperioden zu sehen. Sein landesweites Wirken als Restaurator und Glasfenstergestalter ist u. a. durch die Entwürfe seiner großartigen Glasfenster für die Rostocker Petrikirche (1962) dokumentiert. Marcus Mannewitz, der die Arbeit seines Vaters vor allem als Restaurator fortsetzt, zeigt mit soliden Stillleben und Landschaften seine Zugehörigkeit zur Malerfamilie. Die eigentliche Überraschung der Schau ist jedoch die faszinierend verfremdete, metaphorisch-figurative Malerei seiner Schwester Anna Mannewitz, die in Berlin-Weißensee bei Wolfgang Peuker studiert hat. Und etwas zum Schmunzeln gab es bei der Eröffnung: Lea, die fünfjährige Tochter von Marcus Mannewitz, zupfte ein ums andere Mal Ausstellungsbesucher am Ärmel und präsentierte ganz ernsthaft inmitten der Großen ein kleines, selbstgebasteltes Leporello: „Willst Du das angucken? Musst aber ein bisschen Geld bezahlen – für einen guten Zweck!“ Ein paar Münzen hatte das Mädchen schon zusammen. Wenn das kein gutes Omen ist für die Zukunft der Malerfamilie Mannewitz.

Bis 29. März in der Rostocker Galerie Amberg 13, Mi - Sa 13 - 18 Uhr.


Die Malerfamilie Mannewitz in ihrer Rostocker Ausstellung: Mechthild Mannewitz, die Mutter, zwischen ihren Kindern Marcus und Anna Mannewitz.
Foto: Frank Hormann



Mechthild Mannewitz: Fesselung, 007, Öl auf Leinwand.


Anna Mannewitz: Marionettenfigur, 1997, Öl auf Leinwand.