Ostsee Zeitung / Montag, 11. Oktober 2007

„Geheimsprache der Sinne“: Fred Pollack in Rostock

Rostock (OZ) Die „Geheimsprache der Sinne“ – wer möchte sie nicht beherrschen? Am Freitagabend wurde in der Galerie am Alten Markt in der Rostocker Volkshochschule eine Ausstellung mit Bildern von Fred Pollack unter diesem verheißungsvollen Titel eröffnet. Für die Auswahl hatte der Kunstverein zu Rostock als Veranstalter die Kuratorin Dr. Katrin Arrieta gewonnen.

Die in Rostock gezeigten Arbeiten gestatten einen Überblick über Pollacks Schaffen. Der Künstler, 1943 im niederländischen Enschede geboren, malt seit etwa 20 Jahren und war noch bis vor wenigen Jahren als Psychiater tätig. Wer nach Zugängen in seine Bildwelten sucht, sollte sich davon nicht vorschnell beeinflussen lassen, den menschenorientierten Beruf erst einmal im Hinterkopf belassen.

Hilfestellung in Form von Titeln wird nicht gewährt. So wandert das Auge von Bild zu Bild, entdeckt hier schwarze Objekte, die wie Rohrleitungen, Trichter und Pumpen technische Apparaturen zu bilden scheinen, die dann aber unfertig, geborsten, jedenfalls funktional unbrauchbar wirken. Dort fallen Gitterstrukturen auf, gekachelte Böden oder einmal ein Stuhl, hier ganz gewiss ein Rollschrank. Stark abstrahierte Menschenfiguren, Arme oder Beine fangen den Blick Ton an, entfaltet sich auf weißen oder grauen Untergründen. Andere Bildflächen sind erdig rot, grün, oder ocker. Dem  Betrachter geben sich Fred Pollacks Werke merkwürdig vertraut und zugleich verschlossen. Tragen sie Geschichten, gar Botschaften in sich? Falls es die „Geheimsprache der Sinne“ ist, geben sie diese – wie nicht anders zu erwarten – auch nach intensivem Schauen nicht preis.

Aber das tut das Lächeln der Mona Lisa genauso wenig. Der Weg ist das Ziel, gilt in der Kunstbetrachtung wie sonst nirgends. Fred Pollack selbst bezeichnet seine Bilder als „Ausdruck des Gefühls oder der Erinnerung“. Beides kann der Besucher aber nur ganz allein in sich selbst finden. Gute Bilder regen dazu an. GERDRICHARDT

 

Fred Pollack mit einem Werk aus „Geheimsprache der Sinne“.
Foto: Häntzschel