Mittwoch, 7. Juli 2004

In die Meeresbilder legt sie all ihre Gefühle

Stadtmitte Künstlerische Inspiration und Todesangst: „Das Meer hat mich sehr geprägt“, sagt Britta Naumann. Ihre „Meeresbilder“ sind bis zum 30. Juli in der Galerie Mönchentor ausgestellt – und heute Abend um 19 Uhr wird die Rostocker Künstlerin dort auch den nicht sichtbaren Teil ihrer Wasser-Erfahrungen erzählen.

Die erste Begegnung mit dem blauen Element war ein großer Schock: „Ich wäre als Kind mal fast in einem See ertrunken“, erinnert sich die Künstlerin. Ihre Eltern steckten sie danach sofort in einen Schwimmkurs, „und dann habe ich sogar zehn Jahre Leistungssport gemacht“. Die Angst blieb. „Aber wenigstens konnte ich so lernen, mich über Wasser zu halten“, sagt die 45-Jährige. Auch im übertragenen Sinne: Seit 1986 arbeitet sie als freiberufliche Künstlerin.

Das Meer war dabei von Anfang an eines ihrer liebsten Motive. „Das Wasser ist für mich immer eine Quelle der Inspiration“, sagt Britta Naumann. Vielleicht aufgrund „dieser gewaltigen Energie, die sich überträgt“. Vielleicht, weil sich das Meer „so gut als Ventil eignet“. In ihre Wasser-Bilder könne sie alle Gefühle legen, erklärt die Künstlerin: „Unruhe, Ungewissheit, Erwartung, Liebe“. Das Meer sei „für vieles im Leben eine gute Metapher“.

Auch für Todesängste. Während eines Aufenthalts in Chile 1993 wurde Britta Naumann beim Baden im Pazifik von einer riesigen Welle überrascht: „Ich habe diese Woge auf mich zukommen sehen und gedacht: Das war\'s jetzt!“, erinnert sie sich. Das Bild der gewaltigen Wassermassen habe sie noch heute genau vor Augen – sie hat es künstlerisch mehr als einmal verarbeitet. In Malereien, Collagen und Ätzradierungen.

Doch nicht nur inhaltlich hat das Wasser Britta Naumanns Kunst beeinflusst. Auch was das Meer anspült, findet Eingang in ihre Bilder: Algen oder winzige Sandkörnchen. Auf einer Leinwand ist sogar alles sandfarben – kein bisschen blaue Farbe. „Mich beschäftigt auch die Abwesenheit von Wasser“, erklärt die Rostockerin. Schließlich gebe es anderswo schon kriegerische Auseinandersetzungen um Süßwasser. Auch die Sorge um die Umwelt spiegele sich in ihren „Meeresbildern“.

ANNE SCHEMANN

   

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Werden heute abend übers Wasser sprechen: Britta Naumann und Gabriela Pertus vom Rostocker Kunstverein.

OZ-Foto: Anne Schemann

 


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