Ostsee-Anzeiger / Mittwoch, 28. April 2010

Anka Kröhnke stellt in der Galerie am Alten Markt aus

Recycling, gerahmt

“Sehen Sie hier – dieses Grau? Ganz selten, ganz kostbar.” Anka Kröhnke kennt sich aus mit Getränkedosen. Freunde und Bekannte helfen sammeln, damit die Künstlerin aus Kühlungsborn zu ihrem Arbeitsmaterial
kommt. Manchmal sind es auch Holzreste, Plastikbeutel oder die Software-CDs, die man vor ein paar Jahren noch von verschiedenen Internet-Anbietern in den Briefkasten gesteckt bekam. Damals gehasst und weggeworfen, sind sie heute in der Galerie zu bewundern, ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

Namen und Marken interessieren die Textilkünstlerin Anka Kröhnke bei ihrer Auswahl nicht. Sondern Oberflächen, Farben, Muster. Es ist das Material, das bei Anka Kröhnke den Anfang des künstlerischen Schaffens bildet. So wie Kinder Dinge aufheben, weil sie bunt sind oder glitzern. Auch Anka Kröhnke hat so angefangen: Das bunte Bonbon- und Kaugummipapier, das die GI's in den Rinnstein fallen ließen, nachdem sie den Taunus befreit hatten. Dorthin war die Mutter, die Malerin Luise Rösler, mit der fünfjährigen Anka geflohen, aus Berlin, vor den Bombenangriffen. Prägende, entbehrungsreiche Jahre. Mit diesem kindlichen Blick hat Anka Kröhnke auch als Erwachsene weitergesammelt. “Das Material zeigt mir, ob ich es gebrauchen kann, es muss mich ansprechen. Dann wächst auch eine Idee. Meistens sehr langsam.” Wenn sie sich wirklich daran macht, ein Bild zu gestalten, dann dauert es Wochen und Monate, bis die Komposition stimmig ist. Anka Kröhnke nennt es “die Balance”, und es steckt mehr dahinter als die Absicht auf eine dekorative Wirkung. Ihre “Gewebe” bilden nicht nur Textilien, sondern auch einen Text – im ursächlichen Sinne des Wortes. Einen Text in einer sehr lebhaften, fröhlichen Sprache, bei der man sich am Klang berauschen kann. Auf ein Verstehen kommt es nicht an. So entfalten die Bilder eine Langzeitwirkung. Daran hat auch das Recycling von Blechdosen aus aller Welt seinen Anteil, diese bemerkenswerte Vielfalt. Die nicht zuletzt deshalb  entsteht, weil dieses Sammeln im globalen Maßstab erfolgt: Von Australien bis Zypern wollen die Dosen den Käufern ins Auge fallen, sind pink, grün, rot, lila, gelb... Nur eben nicht grau. Graue Getränkedosen sind dekadent. Sowas gibt's nur in Paris. FS

Bis zum 29. Mai in der Galerie am Alten Markt. Eine Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz. Künstlergespräch am 8. Mai um 19.30 Uhr.


„Neues aus Altem“ heißt die neue Ausstellung des Kunstvereins zu Rostock in der Galerie am Alten Markt. Die Künstlerin Anka Kröhnke präsentiert Recycling der besonderen Art. F.: FS