NNN/Mittwoch, 31. März 2010

Architekt und Künstler

Der Erbauer der Stadthalle Ulrich Hammer wird 80 Jahre alt / Heute Gespräch in seiner Ausstellung „Summe und Fragment“

ROSTOCK Als Ulrich Hammer 13 Jahre alt war, besuchte er mit einer Tante Berliner Hinterhöfe. "Beim Anblick der kaputten Gebäude habe ich gedacht, dass Menschen so nicht wohnen sollten. Da wollte ich Architekt werden, um das besser zu machen", sagt er. Er studierte Architektur und arbeitete in seinem Traumberuf. Der Besuch in Berlin liegt lange zurück. Heute wird Ulrich Hammer 80 Jahre alt. "Wie gern ich Architekt war und wie sehr ich meinen Beruf vermisse, sehe ich daran, dass ich noch heute vom Bauen träume", sagt er. Nach dem Studium kommt er nach Rostock, geht zur Bau-Union, wie der Vorläufer des Wohnungsbaukombinates hieß. Ulrich Hammer zieht es zu Industriebauten, ihm gefällt die Mode nicht, den Stil von 1870 zu kopieren. Sein erster Auftrag ist eine Baracke auf der Kabelkrananlage der Warnow-Werft. "Sie diente den Arbeitern in ihren Pausen, damit sie nicht immer herunter mussten", sagt er. Eine der nächsten Aufgaben ist der Entwurf einer Keramikfabrik für Korea, der nicht realisiert wird. Es folgt der Bau eines Fleischkombinates in Ulan-Bator in der Mongolei, wo er mit Frau und den drei Söhnen von 1962 bis 1965 lebt.

Stadthalle ist ein Traumprojekt
Zurück in Rostock wird er mit der Universitätsplanung betraut, es geht um ein naturwissenschaftliches Verfügungszentrum. In dem Zusammenhang plant Ulrich Hammer 1969 die Mensa in der Südstadt, die später abgerissen wird. "Das tut mir weh", sagt er. Einen ähnlichen Entwurf setzt er für Greifswald um, der steht noch. Als Ulrich Hammer der Ruf ereilt, die Rostocker Stadthalle zu bauen, sagt er zu. "So eine Aufgabe bekommt man nur einmal im Leben", sagt der Jubilar. Mit Arndt Zintler und Werner Langwasser realisiert er das Mammutvorhaben.

Später absolviert Hammer in Dresden ein Sonderstudium zum Thema Rekonstruktion. Mit anderen Kollegen beschäftigt er sich mit der Östlichen Altstadt und dem Kloster zum Heiligen Kreuz. Damals arbeitet er mit Architektin Ingrid Bräuer. Um in der Rostocker Altstadt die gesperrten Häuser zu erhalten, dulden und fördern Hammer und andere Kollegen das Erhaltungswohnen, wie Schwarzwohnen genannt wurde.

Parallel zu seinem Beruf beschäftigt sich Hammer schon früh mit einem kreativen Hobby: Er malt bei dem Rostocker Maler und Kunsterzieher Thuro Balzer, später bekommt er Unterricht von den Malern Johannes Müller und Jürgen Weber, mit denen er freundschaftlich verbunden ist. Michael Mohns unterrichtet ihn in Bildhauerei. "Er hat mir wichtige Grundlagen vermittelt." Im Ruhestand betreibt Hammer mit Ingrid Werner ein Atelier, das er inzwischen aufgeben musste.

Das künstlerische Schaffen von Ulrich Hammer wird bis 17. April in der Galerie am Alten Markt unter dem Thema "Summe und Fragment – Grafik, Malerei und Skulptur" zu sehen sein. Dort ist er heute ab 19.30 Uhr zum Künstlergespräch – so nennt er es, um vom Geburtstag abzulenken. Den feiert er am 10. April in der Familie, zu der neben Ehefrau Ilse, den Söhnen, neun Enkel und fünf Urenkel gehören. Zur Summe seines Lebens zählt die Verbundenheit zu seiner Frau Ilse. "Sie hat mir in vielem Spielraum gelassen", sagt Hammer voller Dankbarkeit. Maria Pistor

Auch die Bildhauerei hat es ihm angetan: Schon als junger Architekt beschäftigt sich Ulrich Hammer damit.
FOTO: GEORG SCHARNWEBER