LEAR oder DER TOD DER HUNDEFÜHRER
Lear ist nicht mein König; er ist ein Sinnbild, ein Bündel, ein gewisses Gebilde, das Macht hat.
– Ob nun freiwillig oder nicht, er hat sein Erbe verteilt; er hat noch einige Soldaten und Bedienstete behalten, er übt noch seine Aufmärsche, lebt aber schon wie ein Gast im Land. Jetzt wird ihm auch das vermiest, man lässt es an Achtung fehlen, kränkt sein Gefolge, streicht ihm die Polizei. Den alle fürchteten, den alten Unterdrücker, lässt man vor der Türe stehn.
Wie groß ist sein Leiden; es raubt ihm den Sinn.
Er wirft seinen Pelz, seine Stiefel weg und steht in der Dübener Heide, naß und nackt; und sagt, das ist irre, der Herrschaft ab. Das ändert alles, zwischen ihm und mir; „Repräsentationsverlust ist Autoritätsgewinn“; der Mensch in ihm tritt hervor, und der König stirbt. Großer Shakespeare! So oder ähnlich lese ich die Staatsgeschichte, den Langen Lehrgang, der jetzt beginnt.
Volker Braun, Texte in zeitlicher Folge, Band 10 mdv 1993

 

Ronald Paris
Aquarelle zu Dramen und Sonetten von William Shakespeare
Anlässlich seines 400. Todestages und Gouachen aus Irland

Ausstellungsdauer
vom 24.06. – 13.08.2016 Hochschule für Musik und Theater Rostock

Flyer Ausstellung (PDF)
Presse
Ostsee-Zeitung

Bilder der Ausstellungseröffnung

    Shakespeare auf einem Narren reitend
1984, Aquarell
       
    König Lear
1989, Gouache
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